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«Das geht in die falsche Richtung»

Die Schweizer recyceln viel und gerne – doch anders als im Ausland landen Milchkartons und Eisteeverpackungen hierzulande im Abfall. Das sei absurd, kritisiert Dr. Josef Meyer, Präsident des Vereins Getränkekarton-Recycling.

Die Schweiz ist stolz auf ihren Ruf als Recycling-Weltmeisterin. Zu Recht?
Josef Meyer: Die Schweizer Konsumenten recyceln tatsächlich viel und gerne – so steht unser Land beim Recycling von Glas oder PET sehr gut da. Ganz anders sieht es bei den Milchkartons oder Eisteeverpackungen aus. Zwar könnten auch diese Verpackungen recycelt werden, dennoch landen sie bei uns im Abfall. Das ist absurd – umso mehr, als sich gezeigt hat, dass die Konsumenten ihre Milchkartons recyceln wollen. Wir sind überzeugt: Gäbe es in der Schweiz ein Sammelsystem, wären die Schweizer auch beim Recycling dieser Getränkekartons spitze.

Weshalb sind Sie sich dessen so sicher?
Wir sehen das in jenen Gemeinden, die ihren Einwohnern schon heute das Sammeln von Getränkekartons anbieten: Die Nachfrage ist gross. Auch hat eine Studie gezeigt, dass neun von zehn Personen ihre Milchkartons und Orangensaftverpackungen recyceln würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Das extremste Beispiel aber ist das Pilotprojekt von Aldi Suisse. Aldi hat in seinen Filialen während drei Jahren die Rücknahme von leeren Getränkekartons angeboten und wurde dabei von Konsumenten regelrecht überrannt. Man muss sich das erst einmal vorstellen: Der Erfolg der Sammlung war so gross, dass sich Aldi Suisse gezwungen sah, die Sammlung per Juni 2019 wiedereinzustellen. Das geht klar in die falsche Richtung!

Wenn die Sache so erfolgreich war – warum hat Aldi damit wieder aufgehört?
Am Ende stammten über 70 Prozent der Getränkekartons von anderen Detailhändlern. Aldi Suisse aber kam für die Finanzierung der Sammlung alleine auf. Es kann nicht sein, dass ein einzelner Detailhändler die Kosten für das Recycling aller anderen übernimmt. Der Erfolg des Projekts zeigt: Es braucht dringend eine schweizweite Lösung für die Finanzierung eines Sammelsystems.

Wie kann eine solche aussehen?
Nun, wir haben uns die letzten 10 Jahre für eine freiwillige Lösung eingesetzt – ohne Erfolg. Dabei kommt dieses Prinzip heute schon zur Anwendung, zum Beispiel bei PET: Im Kaufpreis jeder PET-Flasche sind 2 Rappen enthalten, mit denen das PET-Recyclingsystem finanziert wird. Die Branche hat dies freiwillig und gemeinsam beschlossen. Dasselbe Prinzip könnte man auf Getränkekartons anwenden. Dies wäre nach wie vor unsere bevorzugte Variante. Unter den gegebenen Umständen prüfen wir allerdings auch andere Modelle.

Was heisst das konkret?
Momentan schauen wir auch ins Ausland und untersuchen, ob es dort Lösungen gibt, die sich hierzulande anbieten. Es kann doch nicht sein, dass ausgerechnet im Recyclingland Schweiz nicht möglich ist, was in unseren Nachbarländern schon längst Standard ist!

Sie haben die PET-Finanzierung erwähnt. Würde das nicht dazu führen, dass die Getränkekarton-Verpackungen teurer würden?
Am Verkaufspunkt vielleicht, unter dem Strich aber nicht – im Gegenteil. Den Konsumenten kommt das Recycling billiger zu stehen, weil er Gebühren für den Abfallsack spart. Das ist ja das Schöne am Recycling von Getränkekartons: Es entlastet das Portemonnaie und hilft zugleich der Umwelt.