Wie werden Getränkekartons aus gemischten Recycling-Bags aussortiert?
- Lara Gruhn

- 3. März
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Wer seine Getränkekartons in einen gemischten Recycling-Bag – beispielsweise von RecyPac – wirft, stellt sich vielleicht die Frage: Wie wird der Getränkekarton eigentlich vom Plastik getrennt und danach separat recycelt?


In den letzten Monaten haben wir diese Frage einige Male über unsere Infokanäle beantwortet; höchste Zeit also Licht ins Dunkle zu bringen. Denn was nach der Entsorgung passiert, bleibt für Konsument:innen meist unsichtbar. Im Folgenden erklären wir, was mit den Recycling-Bags in den Sortieranlagen geschieht und wie die Getränkekartons dort erkannt und separat ausgeschleust werden. Falls Sie den Prozess lieber im Video schauen, erklärt Ihnen Mark Knoll, Betriebsleiter im Werk Loacker in Lustenau (AT), hier, wie die Sortierung funktioniert.
In der Sortieranlage
Nach der Anlieferung werden die Recycling-Bags maschinell geöffnet. Das gesamte Material – inklusive der aufgerissenen Säcke – gelangt auf ein grosses Förderband. Dort beginnt die mechanische Vortrennung. Die Verpackungen gelangen je nach Grösse, Form und Gewicht auf unterschiedliche Förderbänder. In der Sortieranalage Loacker geschieht diese erste Sortierung nach Stückgrösse beispielsweise mittels einer Windtrommel. Je nach Grösse und Gewicht, fallen die die Materialien durch unterschiedlich grosse Löcher. So entstehen verschiedene Materialströme mit jeweils ähnlichen Eigenschaften. Getränkekartons befinden sich typischerweise in der sogenannten 3D-Fraktion, also bei dreidimensionalen Hohlkörpern wie Flaschen oder stabilen Kunststoffverpackungen.
Hightech erkennt die Getränkekartons
Im nächsten Schritt kommt meist sensorgestützte Technologie zum Einsatz. Besonders verbreitet ist die Nahinfrarot-Technologie (NIR), die Materialien anhand ihrer spezifischen Eigenschaften identifiziert.

Ein Getränkekarton besteht überwiegend aus hochwertigen Kartonfasern, ergänzt durch dünne Schichten aus Polyethylen und Aluminium. Diese Materialkombination besitzt eine eindeutige Signatur, die vom Scanner erkannt wird. Während die Verpackungen über das Förderband laufen, analysieren Sensoren jedes einzelne Stück innerhalb von Millisekunden. Wird ein Getränkekarton identifiziert, aktiviert das System gezielt eine Druckluftdüse. Ein präziser Luftstoss befördert den Getränkekarton aus dem Materialstrom auf ein separates Förderband.
Zum Schluss erfolgt in einigen Sortieranlagen zusätzlich eine manuelle Qualitätskontrolle. Mitarbeitende überprüfen händisch die einzelnen Materialströme, um sicherzustellen, dass keine Fremdstoffe enthalten sind. Danach werden die Getränkekartons zu kompakten, transportfähigen Ballen gepresst und in ein für Getränkekartons zertifiziertes Recyclingwerk weitergegeben.

Gemischte Sammlung bedeutet nicht gemischtes Recycling
Auch wenn verschiedene Verpackungen gemeinsam im selben Sack gesammelt werden, sorgt ein ausgereifter Sortierprozess dafür, dass Getränkekartons gezielt erkannt und einer hochqualitativen stofflichen Verwertung zugeführt werden. Für Konsument:innen bedeutet das: Gesammelte Getränkekarton tagen dazu bei, dass wertvolle Fasern im Kreislauf bleiben und wiederverwendet werden können.
Bitte helfen Sie mit und sammeln Sie Ihre leeren Getränkekartons flachgedrückt in einem Recycling-Bag.

Über die Autorin
Lara Gruhn
Projektleiterin Kommunikation
Lara Gruhn hat aus der Wissenschaft ihren Weg zum Verein GKR gefunden. Schon während ihrer Doktorarbeit interessierte sie sich für das ethische Konsumverhalten in der Schweiz. Sie ist davon überzeugt: «Kreislaufwirtschaft ist ein wichtiger Schritt in eine nachhaltige Zukunft, Wirtschaftssysteme müssen zirkulär gedacht werden», deswegen setzt sie sich als Projektleiterin Kommunikation fürs Recycling ein.



